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Die neue Langsamkeit – oder ein paar Extrarunden, um mehr bei mir selbst anzukommen


Auf dem Weg von Győr zurück nach Linz fiel mein Blick während der Fahrt plötzlich auf meinen Tacho und in dem Moment, zack Kilometerstand 55.555 – crazy! Nicht nur eine symbolische Schnapszahl, sondern gleichzeitig wird mir bewußt, dass ich seit meinem Tour Start in Aachen schon über 7.500 km gefahren bin… und das Verrückte daran: Wenn man Google fragt, beträgt der kürzeste Landweg von Aachen bis Pakistan ungefähr 7.500 Kilometer. Das bedeutet: Rein von der Strecke her bin ich mittlerweile quasi schon einmal von Aachen bis Pakistan gefahren, und sitze jetzt trotzdem wieder in Linz.

Gefühlt ziemlich viele Kilometer gemacht, ohne wirklich von der Stelle zu kommen.
Oder vielleicht doch – nur eben nicht geografisch. In mir drin passiert gerade super viel…

Als ich vor eineinhalb Jahren angefangen habe meine Tour zu planen, war mir alles sehr klar: 9 Monate, 9 Länder, 9 Projekte. Ein ziemlich straffer Plan, aber alles in sich voll logisch! Für mich war das der Deal. Und irgendwie gab es in meinem Kopf gar keine andere Option. Alles fühlte sich einfach total stimmig an. Aber das Leben hatte dann doch andere Pläne…

Erst der Krieg im Iran und die dadurch veränderte Route. Dann die völlig unerwartete Brustkrebs-Diagnose, die Operation und die anschließende und noch andauernde Heilungsphase.
Mein ursprünglicher, durchtetakteter Zeitplan komplett für´n Arsch! 😅

Das hat mich irgendwie alles etwas aus dem Konzept gebracht. Jetzt darf ich lernen zu akzeptieren, dass ich nicht alles kontrollieren kann. Und letztendlich realisiere ich, wie sehr ich mich mit meinem eigenen Zeitplan selbst auch komplett unter Druck gesetzt habe. WOW!



DER HUSTLE IST HART – DER STRUGGLE SO REAL
*Zitat: Uwe Bermeitinger, Kiosk International 2018

Eigentlich hatte ich immer das Gefühl, ziemlich gut mit mir selbst verbunden zu sein. Ich schreibe seit über 20 Jahren jeden Morgen meine Morgenseiten. Ich meditiere. Ich mache Yoga. Ich beschäftige mich seit Jahren intensiv mit mir selbst. Und trotzdem spüre ich jetzt, dass da unterbewusst noch viel mehr los ist… emotionale Achterbahn.

Seit meiner Diagnose habe ich sehr viel in mich reingehört, tief sitzende Glaubenssätze erforscht. Habe nachgedacht über das Bild, das ich von mir selbst habe bzw. hatte. Über Stärke, Leistung, Kontrolle. Ich habe mir selbst unglaublich viel abverlangt. Ich habe mein ganzes Leben lang immer funktioniert. Ich war immer stark. Super motiviert. Ich habe alles, was ich begonnen habe, auch durchgezogen. Ständig neue kreative Ideen, immer powern. Das war für mich so selbstverständlich, dass ich es überhaupt nicht hinterfragt habe. Und gleichzeitig immer total viel Mitgefühl und Verständnis für alle und alles – außer irgendwie für mich selbst. Ich ringe innerlich mit der Pat in mir, die gewohnt ist „immer abliefern zu müssen“. Über meine eigenen Kräfte hinaus…

Und jetzt muss ich wirklich über die Ironie des Universums lachen!
Die Grundidee der COLOURS OF LOVE TOUR ist ja genau diese: Wenn wir etwas in dieser Welt verändern wollen, dürfen wir bei uns selbst anfangen. In unserem eigenen Radius. Wie ein Kieselstein, den man ins Wasser wirft und der immer größere Kreise zieht.

Wenn wir uns eine Welt ohne Krieg wünschen, dann können wir nicht nur auf die großen politischen Systeme schauen. Wir dürfen uns fragen: Wie viel Frieden schaffe ich eigentlich in meinem eigenen Radius? Wie gehe ich mit den Menschen um, die mir begegnen? Wie gehe ich mit mir selbst um? Welche Gedanken trage ich in die Welt? Welche Energie gebe ich weiter?

Ich glaube, dass wir alle Teil eines viel größeren Ganzen sind. Unsere Gedanken, Entscheidungen und unser Verhalten existieren nicht losgelöst voneinander, alles steht in Resonanz. Ich glaube an ein kollektives Unterbewusstsein, das wie ein unsichtbares Netz all diese Einflüsse miteinander verbindet und dadurch prägt, wie wir unsere gemeinsame Realität gestalten.

Und jetzt hat mir das Leben sehr deutlich den #totallove Spiegel vorgehalten. Ich darf wirklich und auf allen Ebenen zuerst BEI MIR SELBST anfangen!! Echte SELBSTLIEBE lernen! And that’s a tough one…

Ich darf lernen, dass ich nicht immer so hart zu mir selbst sein muss. Dass ich nicht immer alles alleine schaffen muss. Dass ich Unterstützung annehmen darf. Und dass ich zwar sehr stark bin, aber auch schwach und verletzlich sein darf. Dass beides zusammen gehört, wie zwei Seiten einer Medaille. Dass das einfach menschlich ist… Meine Therapeutin sagte letztens, ich solle bitte endlich damit aufhören immer HIGHLANDER zu sein. Oh man, sie hat so Recht! Ich könnte lachen und heulen gleichzeitig…

Während ich stundenlang alleine auf dem Motorrad sitze, und durch die schönsten Landschaften fahre, fließen weiter viele Tränen. Aber auch plötzlich aus dem Nichts überkommt mich immer wieder kurz dieses unbeschreibliche Gefühl von Freiheit und Glück und mein Herz schwappt über… das Gefühl genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein! Und dann wieder die nächste emotionale Talfahrt.

In den letzten Monaten habe ich einige Schleifen gedreht. Ich bin von Linz über Italien und Slovenien bis nach Kroatien gefahren und zurück, dann über die Slowakei nach Ungarn und über Wien wieder zurück. Nach der Operation dann in Richtung Bulgarien, von dort über Rumänien und wieder zurück nach Linz. Wenn schon Umwege, dann wenigstens immer wieder neue! Dadurch hat mich die Tour auch durch Länder geführt, die ich eigentlich gar nicht für meine Tour eingeplant hatte: Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien Herzegowina und Serbien. Ich habe dort wunderschöne Erfahrungen gesammelt und sehr liebe Menschen getroffen.

Ich bin so dankbar für die unglaubliche Gastfreundschaft, die mir auf dieser Reise begegnet. Für die Menschen, die mich spontan aufnehmen, zum Essen einladen, eine Etappe mit mir fahren, oder mich bei meinen Projekten unterstützen. Für die inspirierenden Gespräche und die neuen Perspektiven. Diese Reise ist so intensiv, dass ich manchmal gar nicht weiß, wie ich das alles überhaupt für Euch in Worte fassen soll…

Und jetzt?

Letzte Woche hatte ich meinen Kontrolltermin im Brustkompetenz Zentrum in Linz. Die Untersuchungen und das Abschlussgespräch sind sehr gut gelaufen und ich bin unglaublich erleichtert. Der nächste große Check-up mit Sonographie und Mammographie ist in sechs Monaten geplant. Insgesamt ist gerade also alles auf einem guten Weg. Gleichzeitig merke ich aber auch sehr deutlich, dass ich noch nicht wieder auf meinem alten Energielevel bin. Ich bin viel schneller erschöpft, als ich es gewohnt bin. Bin langsamer, brauche viel mehr Ruhe.

Ursprünglich wollte ich ab Anfang September langsam wieder in Richtung Rumänien losfahren. Dort haben wir in Cluj-Napoca in Kooperation mit der Fundatia AltArt im August bereits das nächste COLOURS OF LOVE Projekt angestoßen. Leider kam vor ein paar Tagen die Nachricht, dass wir die Genehmigung für die Umsetzung von der Gemeinde leider aus verschiedenen Gründen doch nicht bekommen haben.

Damit hatte ich nicht gerechnet. In dem Moment war ich super traurig und enttäuscht und hab mich plötzlich total lost gefühlt… dann habe ich nach einigem Weinen realisiert, dass ich mich körperlich wirklich richtig erschöpft fühle. Das Projekt in Bulgarien so kurz nach der OP war zwar wunderschön, aber ja auch nicht ganz unanstrengend. Und irgendwie fühlt sich diese Absage plötzlich an, wie ein Wink mit dem Zaunpfahl des Universums: ich brauche doch noch mehr Pause und Erholung. Und ich muss das jetzt ernst nehmen!

Jolle hat spontan für mich den perfekten Ort gefunden. Ich bin jetzt ca. 1,5 Stunden von Linz entfernt in der Wachau in Niederösterreich, in einem wunderschönen, minimalistischen und energetisch nachhaltig gebauten Holzhaus mitten in der Natur. Ich darf den September über hier sein, um meinem Körper die nötige Ruhe zu geben und meinen inneren Kompass neu auszurichten. Seit ich mir selbst diese Auszeit zugestehe, fühle ich eine große Erleichterung…

Ich melde mich wieder bei Euch, wenn ich weiß, wie und wann es mit meiner Tour weitergeht. Ab jetzt mache ich aber einfach keine zu konkreten Pläne mehr. Ich lerne stattdessen wirklich, im JETZT zu sein…

I LOVE YOU ALL… und mich auch! ❤️

#totallove




6 Kommentare zu „Die neue Langsamkeit – oder ein paar Extrarunden, um mehr bei mir selbst anzukommen
“

  1. Hey mein Sonnenschein ☀️
    Das hast du wunderbar geschrieben.
    Dem ist nichts zu zufügen.
    Einfach wunderbar, verständlich und emotional. Danke für deine Worte.
    Ich freue mich sehr über deine Entscheidung. Du darfst ein Buch 📖 darüber schreiben ✍️…., irgendwann.
    Für alle Träumer, Sternensammler , und Fernreisende , Frauen und Männer die auf der Suche sind.
    Liebe Patricia du bist ein Engel der einen besonderen Weg geht.
    Eine wohltuende Umarmung 🫂 von Herz ❤️ zu Herz 💓 damit unsere Seelen miteinander flüstern können.
    Dein Berthold 🤠😘

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  2. liebe Patsy,
    ja, sehr schön hast du geschrieben (s.erster Kommentar), zum Mitfühlen und Nachdenken…
    Wie gut, dass du zum richtigen Zeitpunkt innehältst!
    Alles Liebe und Gute für dich mit einer Umarmung aus der Ferne ❤️🤗
    Margrit (Mama von Alice)

    PS letztes Jahr hatte ich auch rechts Brustkrebs, OP und Bestrahlung, wird nun wieder kontrolliert. Ich denke aber nicht viel daran. Es gibt so viel Anderes…

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  3. Hey Pat, so schön, dass du uns auch an deiner inneren Reise teilhaben lässt. Schon verrück wie Stärken und Schwächen oft ganz nah beieinander liegen oder? Glaube du bist genau wo du sein sollst.. Lass es dir gut gehen und Tank schön auf. Bist ein Lichtblick 🤗

    Total love ❤️ for the win

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  4. Liebe Patricia,
    ich habe eben erst den Weg zu dir gefunden. Habe deine Colours of Love Tour gelesen, miterlebt und mitgelitten.
    Ich bin ganz aufgeregt, kann alles gar nicht fassen. Deine Übernachtung bei uns, dein morgenliches Schwimmen im Bodensee und dein unglaubliches Vorhaben ist immer wieder Gespräch in unserer Familie. Und jetzt habe ich so vieles erfahren!
    Aber es ist so erstaunlich. Du bist bei dir und immer wieder auf dem richtigen Weg!
    Ich denke sehr an dich und wünsche dir von Herzen alles, alles Gute!
    Herzlichen Gruß
    Anne u. Familie

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